Soziale Gleichheit Beispiel Essay

1. Soziale Ungleichheit

Definition von sozialer Ungleichheit

"Soziale Ungleichheiten sind gesellschaftlich hervorgebrachte Handlungsbedingungen, die es bestimmten Gesellschaftsmitgliedern besser als anderen erlauben, so zu handeln, daß öffentlich artikulierte und allgemein akzeptierte Lebensziele für sie in Erfüllung gehen."

1.1. Drei Theorien für die Entstehung von sozialer Ungleichheit

Soziale Ungleichheit entsteht durch einen sehr komplexes und kompliziertes System unterschiedlichster Gegebenheiten. Es existieren viele Theorien über Entstehung von Ungleichheit, aber keine kann die Ursachen wirklich hinlänglich erklären. Trotzdem werden die folgenden drei Theorien oft zur Erklärung herangezogen.

1.1.1. Theorie der "natürlichen" Ungleichheit

Aristoteles führt die soziale Ungleichheit auf die biologischen Unterschiede der Menschen zurück. Auch in der christlichen Theologie und Philosophie des Mittelalter und der beginnenden Neuzeit vertrat man eine Lehre der "natürlichen Ungleichheit", in der die Ungleichheit als gottgegeben und gottgewollte verstanden wurde. Heutzutage findet sich in biologisch orientierten Begabungstheorien die Meinung, daß die ungleiche biologische Ausstattung der Menschen (wie z.B. menschliche Intelligenz) soziale Ungleichheit verursacht. Die physischen und psychischen Unterschiede der Menschen wären danach entscheidend für die unterschiedlichen Positionen in der Gesellschaft.

Zwar gibt es "natürliche" (biologische) Unterschiede zwischen Menschen, doch lassen sich dadurch alleine soziale Ungleichheiten nicht erklären. So waren in anderen Gesellschaften biologische Unterschiede mit anderen Rechten verbunden (z.B. bei "Alten" und Frauen). Außerdem zeigen Untersuchungen, daß es auch innerhalb bevorzugter Gruppen (z.B. Adel) biologische Unterschiede gibt und bestimmte "Fähigkeiten" nur Folgen von Erziehungseinflüssen sind.

Außerdem läßt sich aus der Tatsache heraus, daß es soziale Ungleichheit offenbar schon immer gab, noch keine "naturbedingte" oder "gottgewollte" Begründung ableiten.

1.1.2. Klassentheorie nach Karl Marx

Nach Karl Marx ist der Besitz oder Nichtbesitz von Produktionsmitteln und den daraus entstehenden Vorteilen das entscheidende Kriterium für soziale Ungleichheit.

Alle Menschen, die sich in gleichen Verhältnissen zu den Produktionsmittel befinden, bilden nach Marx eine Klasse und befinden sich in einer prinzipiell ähnlichen Lebenslage. In der kapitalistischen Gesellschaft wird zwischen Produktionsmittel Besitzenden (Bourgeoisie, Kapitalisten) und Nichtbesitzenden (Proletariat, Arbeiter) unterschieden.

Da auch diejenigen Menschen, die keine Produktionsmittel besitzen, zur Sicherung ihres Lebensunterhaltes auf solche angewiesen sind, müssen sie sich in den Dienst der Besitzenden begeben. So entsteht aus einer Verfügung über "Sachen" (Produktionsmittel) eine solche über Menschen. Die Klassenzugehörigkeit ist damit entscheidend für die Lebensbedingungen der Menschen.

Um im kapitalistischen System konkurrenzfähig zu bleiben, müssen die Kapitalisten ihre Produktion ständig rationalisieren und die Lohnkosten senken. Dies führt dann zu einer Freisetzung und Verelendung der Arbeiter, einer Überproduktion von Gütern und einer weiteren Konzentration der Produktionsmittel. Diese Zusammenballung wirtschaftlicher Macht ermöglicht den Kapitalisten die Kontrolle über das politischen, wissenschaftlichen und religiösen Leben und unterwirft damit die Arbeiter völlig. Daher ergeben sich aus den Eigentumsverhältnissen an Produktionsmittel entgegengesetzte (antagonistische) Interessenlagen, die zu mehr oder weniger ausgeprägten Klassenkämpfen führen.

Gegen das Klassenkonzept wird heute eingewendet, daß es seine soziale Wahrnehmbarkeit verloren hätte und das klassengeprägte Sozialmilieu nicht mehr existiere. So haben gut verdienende Angestellte oder hohe Beamte vielfach einen Lebensstandard, der weit über dem sogenannter "kleiner Selbständiger" liegt. Es ist nicht zu der Zweiteilung der Gesellschaft gekommen.

Das Eigentum an Produktionsmittel ist zwar ein wichtiger Bestimmungsgrund für soziale Ungleichheit, aber nicht der Einzigste. So kann weder die Ungleichheit innerhalb der Gruppe der Besitzlosen, noch jene in Staaten ohne Privateigentum an Produktionsmittel, hinreichend erklärt werden.

1.1.3. Funktionalistische Schichtungstheorie

In der Funktionalistischen Schichtungstheorie werden die Arbeitsteiligkeit und die herrschenden Wertvorstellungen der Gesellschaft, als Hauptkriterien für soziale Ungleichheit herausgestellt.

Die Gesellschaft muß dafür Sorgen das wichtige Positionen adäquat besetzt werden und die damit vorgegebenen Pflichten erfüllt werden. Durch Anreize und Belohnungen werden die Menschen dazu motiviert, diese Positionen zu besetzen. Je wichtiger die Position und je seltener die dafür nötigen Fähigkeiten und Kenntnisse sind, desto größere Anreize sind nötig.

Soziale Ungleichheit ist daher das Ergebnis eines Belohnungsprozesses, der notwendig ist, um die Stellen adäquat zu besetzen, welche für das "Funktionieren" der Gesellschaft wichtig sind, und der jeden, seinem Beitrag zum Ganzen entsprechend, belohnt. Für die besonderen "Leistungen" (z.B. schwierige Arbeit, lange Ausbildung) die jemand erbringt, soll er auch besonders belohnt werden (Leistungsprinzip).

Gegen diese Theorie muß eingewendet werden, daß sie einige Annahmen voraus setzt, die stark angezweifelt werden. So ist nach allen empirischen Untersuchungen die These vom Mangel an Menschen mit Begabung für schwierige Aufgaben widerlegt. Die sozialen Positionen in unserer Gesellschaft werden nicht im freien Wettbewerb vergeben. Zum Beispiel finden in Bildungseinrichtungen Siebungsprozesse statt, die einen Wettbewerb ausschließen. Die wichtigsten Positionen der Gesellschaft sind nicht unbedingt mit den höchsten Belohnungen verbunden. Dies wird zum Beispiel bei einem Vergleich der Gehälter des Bundeskanzlers und berühmten Schauspielern sehr gut sichtbar.

1.2. Soziale Ungleichheit in der BRD

Anmerkung:

Die Daten und Zahlen aus der verwendeten Literatur sind recht alt und können nicht ohne weiteres auf die heutigen Gegebenheiten übertragen werden. Die aufgezeigten Tendenzen treten jedoch auch heute noch in Erscheinung.

Die Entwicklung der letzten Jahre, die von der Wiedervereinigung, der Globalisierung der Märkte, der Umstrukturierung der Wirtschaft und der schlechteren Wirtschaftslage mit einhergehender Massenarbeitslosigkeit geprägt ist, hat neue Formen und Ausprägungen von sozialer Ungleichheit geschaffen. Worauf ich hier aber nur am Rande eingegangen kann.

Bei der Beschäftigung mit Ungleichheit in einem Land muß das generelle Niveau auf dem sich die Ungleichheiten befinden immer berücksichtigt werden. So hat zum Beispiel "Armut" in einer Wohlstandsgesellschaft wie der BRD eine völlig andere Bedeutung für die existentielle Situation der Betroffenen, als in einem Entwicklungsland mit der permanenten Bedrohung durch Hungertod.

Will man das Wohlstandsniveau einer Bevölkerung charakterisieren, so kann man das am besten durch internationale oder historische Vergleiche. Im internationalen Vergleich gehören die Haushalte der BRD zu den Haushalten mit den höchsten Realeinkommen und Vermögensständen der Welt.

Aber auch innerhalb eines Landes kann Ungleichheit herrschen. So entstand z.B. durch die Wiedervereinigung Deutschlands eine neue regionale Ungleichheit zwischen den östlichen und den westlichen Bundesländern. Vor der Wiedervereinigung herrschte ein Nord-Süd-Gefälle.

Indikatoren für die Bestimmung für soziale Ungleichheit sind zum Beispiel: Macht, Prestige, Bildung, Einkommen, Vermögen, soziale Sicherheit, Sozialhilfeempfänger, Arbeitslosigkeit. Am stärksten betroffen von sozialer Ungleichheit sind Arbeitslose, Behinderte, Obdachlose, Frauen und kinderreiche Familien.

1.2.1. Materielle Ungleichheit (Einkommen und Vermögen)

Einkommen und Vermögen von Ge sellschaftsmitgliedern lassen weitreichende Rückschlüsse auf ihre materielle Lebenslage zu und stellen wichtige Ressourcen für sie dar. Bestimmte Erscheinungsformen der materiellen und der Bildungsungleichheit sind die Konsequenzen von Verteilungsprozessen und werden von einer breiten Masse in der Gesellschaft ausdrücklich bejaht.

Über die BRD kann gesagt werden, daß seit ihrer Gründung der Wohlstand generell gestiegen ist. Diese generelle Steigerung darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß an ihr verschiedene Bevölkerungsgruppen unterschiedlich beteiligt waren und Ungleichheiten der Einkommmens- und Vermögenslagen bestehen.

a) Einkommen

Die Einkommenssituation der Haushalte, also das Pro-Kopf-Einkommen, ist generell aussagekräftiger als einfache Einkommensdaten. Bei den Ein- und Zwei-Personen-Haushalten herrschen sehr große Einkommensunterschiede. Die 2-Personen-Haushalte ohne Kinder und die einkommensstarken Single-Haushalte weisen die besten Einkommenssituationen auf. Dem gegenüber stehen Alleinerziehende und alleinstehende Rentnerinnen. Je mehr Kinder aufgezogen werden oder alte Familienmitglieder betreut werden, desto geringer ist das Lebensniveau des gesamten Haushaltes. Die soziale Benachteiligung führt zu einem deutlichen auseinander driften der Lebenschancen von kinderreichen Familien und der Singlegesellschaft.

Die Durchschnittseinkommen von Selbständigen sind am höchsten, gefolgt von den Beamten und den Angestellten. Die Situation dieser Gruppen ist gut oder wenigstens gesichert. Die Arbeiter und Rentner haben die niedrigsten personellen Einkommen. Durchschnittlich erhalten Frauen ein geringeres personelles Einkommen als Männer. Die Situation der Schlechtgestellten ist problematisch, da sie existenziell auf staatliche Sicherungssysteme angewiesen sind. Rentner, kinderreiche Familien und Ausländer leben inmitten einer Wohlstandsgesellschaft oft in Armut.

Die allgemeine Erhöhung der (absoluten) Einkommen hat sich scheinbar in keiner gravierenden Nivellierung oder Auseinanderentwicklung der (relativen) Einkommensverteilung niedergeschlagen. Jedoch können zwei entgegengesetzte Tendenzen beobachtet werden. Die Nivellierung im Mittelbereich und die Differenzierung in den Randbereichen. So geht seit 1980 die Einkommensschere zwischen Arbeitnehmern und Selbständigen immer weiter auseinander. Das Einkommen der Selbständigen hat sich real um 43% erhöht, das der Arbeitnehmer ist sogar real knapp unter der Inflationsrate geblieben (siehe Tabelle).

Übersicht: Verfügbare monatliche Haushaltseinkommen von sozialen Gruppen in DM- Westdeutschland

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

b) Vermögen

Die Einkommensverteilung beeinflußt durch die Sparfähigkeit der Gesellschaftsmitglieder auch die Verteilung des Vermögenszuwachses. So müssen die kleinen Einkommen fast ausschließlich für Verbrauchsausgaben verwendet werden. Die Großeinkommen bestehen dagegen hauptsächlich aus Besitzeinkommen (z.B. Zinseinkommen). Weshalb zwangsläufig der größte Teil des neugeschaffenen Volksvermögens denen zu fällt, die bereits besitzen.

Die Reichen haben einen zehnmal größeren Anteil am Vermögen, als ihrem Bevölkerungsanteil entspricht. 1996 hatten 10 % der Bevölkerung etwa die Hälfte des Geldvermögens. Die Schlechtergestellten verfügen nur über etwas mehr als ein Viertel der ihrem Bevölkerungsanteil entsprechenden Vermögensquote.

Dies bedeute, daß die Einkommen in der Bundesrepublik wesentlich gleichmäßiger verteilt sind als die Vermögen.

c) Armut

Armut stellt eine Situation umfassender Benachteiligungen dar, die neben materiellen auch psychische, gesundheitliche und andere Aspekte enthält. Als relative Armut bezeichnet man eine Schlechterstellung hinsichtlich der materiellen Lage, im Bezug auf den Durchschnitt einer Gesellschaft. Je nach Standpunkt wird ein Einkommen unterhalb von 40% - 60% (strenge bis milde relative Armut) des Durchschnittseinkommens als Armut bezeichnet. Die Einschätzung des Ausmaßes von Armut gehen deshalb von einigen Prozent bis zur Zweidrittel-Gesellschaft. Besonders von Armut betroffenen sind ältere alleinstehende Frauen, alleinerziehende Frauen, kinderreiche Familien, langfristig Arbeitslose und Rentner.

Als absolute Armutsgrenze wird in Deutschland oft die Sozialhilfe gesehen. Doch auch die Sozialhilfe ist kein geeignetes Mittel für die Bestimmung von Armut. Die Leistungsanpassung bei der Sozialhilfe ist seit 1990 an die Einkommensveränderungen unterer Einkommensgruppen gebunden, es gab in den vergangen Jahren sogar Null-Runden. Was bedeutet, das die Sozialhilfe auch unter das Existenzminimum rutschen kann. Daher orientiert sie sich heute eher am überleben, als an dem Lebensstandard in Deutschland.

Nur etwa die Hälfte der in absoluter Armut lebenden, bezieht tatsächlich auch Sozialhilfe (Dunkelziffer: 50%). Die geringe Ausschöpfungsquote kommt zustande, aus Angst vor Diskriminierung, wegen Schwierigkeiten im Umgang mit Behörden, der Unkenntnis über die jeweiligen Anspruchsvoraussetzungen und dem Verzicht älterer Personen aus Scham oder Stolz.

d. Zusatzinformationen

Die Zahl der Sozialhilfeempfänger hat sich von 1980 (ca. 1 Mio.) bis 1996 verfünffacht (ca. 4 Mio. West-Länder, Osten ca. 1 Mio.). Die steigende Zahl von Sozialhilfeempfänger in den letzten Jahren, ist hauptsächlich durch die gestiegene Langzeitarbeitslosigkeit bedingt. 60% der Sozialhilfeempfänger sind Ein-Personen- Haushalte (häufig Rentner), 18% sind Zwei-Personen-Haushalte (häufig Alleinerziehende), 4% sind mehr als 5 Personen-Haushalte. 70% beziehen bis zu 1 Jahr, 12% bis zu 2 Jahren und nur ein geringer Teil über 2 Jahre lang Sozialhilfe. 2/3 der Sozialhilfeempfänger sind Frauen. In Köln gab es 1996 rund 75.000 Sozialhilfeempfänger. Davon waren rund ein Drittel unter 18 Jahren. 1 Mio. Menschen leben in Deutschland in Notunterkünften.

Über den Ausführungen in der Literatur hinausgehend, sind mir noch folgende Punkte aufgefallen:

Kinderreiche Familien (drei Kinder und mehr) und Alleinerziehende mit minderjährigen Kindern sind am stärksten von Armut betroffen. Die Verteilungsverhältnisse in der BRD, haben dazu geführt, daß Kinder zum Armutsrisiko Nr. 1 geworden sind. Die Schieflage wird durch die zunehmende Kinderlosigkeit und die wachsende Lebenserwartung fortlaufend verschärft. Dies zeigt sich sehr gut auf dem Wohnungsmarkt, wo die starken Single-Einkommen, die einkommensschwächeren Familien verdrängen.

1.2.2. Ungleichheit im System der sozialen Sicherheit

Das Streben nach sozialer Sicherheit gilt, trotz beobachtbarer Ausnahmen, als ein Grundzug menschlichen Verhaltens.

Trotz der Existenz eines ausgebauten "sozialen Netzes", ist die Absicherung gegen Beschäftigungs-,Gesundheits- und Altersrisiken ein durchaus ungleich verteiltes "Gut" in unserer Gesellschaft. Zum einen ist das Auftreten der "Risiken", für die verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen ungleich verteilt, zum anderen sind die Maßnahmen gegen diese Risiken und ihre Folgen ungleich wirksam. Die aktuellen Kürzungen in dem Bereich, treffen hauptsächlich die unteren Einkommensbezieher. So ergibt sich für sie zum Beispiel durch die Zuzahlung bei Zahnersatz eine proportional viel höhere finazielle Belastung, als bei Beziehern hoher Einkommen.

a) Gesundheitsrisiken

Die Gesundheitsrisiken (Unfall, Krankheit, Tod) sind offenkundig ungleich verteilt. So litten die unteren Statusgruppen häufiger an körperlichen und geistigen Erkrankungen und auch ihre Lebenserwartung ist geringer, als die oberer Statusgruppen. Arbeiter sind von Arbeitsunfallverletzungen, tödlichen Arbeitsunfällen, Berufserkrankungen und von Frühinvalidität wesentlich stärker betroffen als Angestellte.

Für die höhere Gesundheitsgefährdung bestimmter Bevölkerungsschichten gibt es mehrere Bestimmungsgründe: spezifische Beanspruchung am Arbeitsplatz, schlechte Wohnverhältnisse, finanzielle Mängellagen, Mängel im Versorgungssystem.

Besondere Einstellungen und Verhaltensweisen der Bevölkerungsgruppen mit besonders hohen Gesundheitsgefährdungen, wirken sich dahingehend negativ aus, daß sie die Vorsorge- und Hilfsmaßnahmen weniger in Anspruch nehmen.

b) Alterssicherung

Im Alter werden die unterschiedlichen Gesundheitsrisiken und Spätfolgen von Arbeitsplatzrisiken deutlich sichtbar und weitere Gefährdungen kommen hinzu. Damit ist die soziale Sicherheit im Alter stark von der früheren beruflichen Stellung und dem Geschlecht abhängig. So erhalten Frauen im durchschnitt weniger Rente, bedingt durch die häufigeren Teilzeitbeschäftigungen (kein Sozialabgaben) und den beruflichen Zwangspausen für die Kindererziehung. Die Hinterbliebenenrente beträgt nur 60% der Rente. Die Ungleichheit aus dem Arbeitsleben wirkt sich daher auch auf die Sicherheit im Alter aus.

Der jährliche Anpassungssatz der Renten wird aus der durchschnittlichen Belastung aller Arbeitnehmereinkommen gebildet und nicht nach den jeweiligen individuellen Einkommen, auf denen die Renten beruhen. Dadurch werden die Bezieher kleiner Renten benachteiligt.

c) Arbeitsplatzrisiko

Der Lebensstandard und das Selbstverständnis sind eng mit dem Arbeitsplatz verknüpft. Der Verlust eines Arbeitsplatzes ist ein bedeutsames und charakteristisches Risiko in unsere Gesellschaft. Dies gilt vor allem bei Langzeitarbeitslosigkeit und in wirtschaftlich schlechten Zeiten. Von Arbeitslosigkeit sind hauptsächlich Frauen, Ausländer, ältere Arbeitnehmer und ungelernte Arbeiter betroffen. Die Arbeitslosigkeit wird jedoch meistens nicht als strukturelles Problem gesehen, sondern als individuelles. Die letzten Änderungen im Arbeitsförderungsgesetz verschärfen die Lage noch und führen dazu das langfristig Arbeitslose in die Sozialhilfe abgedrängt werden.

Das Arbeitsplatzrisiken ist zum einen von den wirtschaftlichen Vorgängen und den Entlassungsstrategien der Arbeitgeber abhängig, zum anderen aber auch von den Maßnahmen zur Absicherung des Arbeitsplatzrisikos. Es gibt prophylaktische Maßnahmen (z.B. gesetzlicher Kündigungsschutz, Kurzarbeitergeld), Maßnahmen zur beruflichen Eingliederung und Wiedereingliederung (z.B. Arbeitsvermittlung, Umschulung), und Maßnahmen zu Sicherung des Lebensunterhalts nach Verlust des Arbeitsplatzes (z.B. Arbeitslosengeld, Sozialhilfe).

Allgemein kommt es nicht mehr zu massenhaften Verelendungserscheinungen im Gefolge von Arbeitslosigkeit. Jedoch gibt es empfindlich Lücken im Netz. So bekommen nur diejenigen Arbeitslosengeld, die in der Arbeitslosenversicherung versichert sind und in den letzen 3 Jahren mindestens 1 Jahr Beiträge gezahlt haben. Selbständige und Berufsanfänger sind somit oft schlechter geschützt. Die Höhe der Bezüge ist vom bisherigen Einkommen abhängig, was bei einkommensschwachen Arbeitern mit Kindern häufig zur Armut führt. Vor allem die Langzeitarbeitslosigkeit hat sich als ein hohes Verarmungsrisiko herausgestellt.

1996 gab es ca. 4 Mio. Arbeitslose, rechnet man die stillen Reserven dazu kommt man auf ca. 6,5 Mio. Arbeitslose. In Köln waren 1996 durchschnittlich 55.000 Arbeitslos, davon 22.000 länger als ein Jahr.

d) Zusatzinformationen

Unser Sozialversicherungssystem ist abhängig von Erwerbsarbeit (von Dauer und Höhe der Entlohnung). So schreiben sich Ungleichheiten beim Einkommen in des sozialen Sicherung fort.

Der Abbau von Sozialleistungen (z.B. Eigenanteil bei Zahnersatz) trifft die niedrigen Einkommen stärker, als die hohen Einkommen. Der mit dem Abbau verbundene Zwang zur privaten Sicherung, trifft hauptsächlich die Schlechtergestellten, da sich diese eine private Sicherung nicht leisten können.

Ein Drittel der Soziallasten wird über Steuern finanziert, aber das Deutsche Steuersystem ist ungerecht. Je höher das Einkommen ist, desto größer wird die Palette der Abschreibungsmöglichkeiten und Steuersparmodelle, mit denen legal Steuern gespart werden können. Die steuerfinanzierten Soziallasten werden also unweigerlich überproportional von den kleineren Einkommen getragen. Am Beispiel der Lebensversicherung läßt sich dies gut aufzeigen. So könne sich nur höhere Einkommen ein Lebensversicherung leisten. Wodurch sie zum einen eine bessere Altersversorgung erhalten und zum anderen ihre Steuerlast durch die Abschreibung verringern. Ein weiteres Manko des Steuersystems ist das Ehegattensplitting, da es hauptsächlich Ehepaare ohne Kinder bevorzugt und nicht unbedingt Familien.

Doch auch die Beitragsfinanzierung ist ungerecht, weil es weder Freibeträge für niedrige Einkommen, noch einen progressiven Tarifverlauf gibt. Durch die Beitragsbemessungsgrenze gibt es sogar eine Art "Luxusfreibeträge" für hohe Einkommen.

Außerdem setzt die Politik Geld aus den Kassen der Renten- , Kranken- und Arbeitslosenversicherung zweckentfremdet ein. Dieser politisch gewollte Mißbrauch treibt die Beiträge der Versicherten in die Höhe. Den Bürgern ist eine Beitragserhöhung leichter zu verkaufen, als eine Steuererhöhung. Da die gutgestellten in unserer Gesellschaft meist ehe von den Beiträgen zur Sozialversicherung befreit sind, werden sie wieder mal bevorzugt.

Durch die Einführung der Pflegeversicherung wurde ein bisher steuerfinanziertes System (Sozialhilfe) auf die Beitragsfinanzierung umgestellt. Dies führt zu einer weiteren Umverteilungseffekt von unten nach oben, auch im hinblick auf die Erbschaftssicherungs- und Vermögensschonungsfunktion der Pflegeversicherung.

Selbst durch die Staatsverschuldung findet eine Umverteilung statt. Die Zins- und Tilgungslasten des Staates fließen in die Taschen weniger Gläubiger, die sich Schuldverschreibungen der öffentlichen Hand leisten können. So erhalten etwa 10% der Haushalte fast alle Zinsausgaben des Staates. Bezahlt werden diese Schulden aber von allen Steuerzahlern.

1.2.3. Ungleichheit auf dem Arbeitsmarkt

Bestimmte Arbeitstätigkeiten sind vorteilhafter (gesünder, sicherer, interessanter) als andere. Die wichtigsten Kriterien zur Bestimmung der Ungleichheit von Arbeitsbedingungen sind: Unfallgefahr, Gesundheitsrisiko, Dauer und Lage der Arbeitszeit, nervliche, seelische und körperliche Belastung.

Unter sehr vielen belastenden Bedingungen arbeiten hauptsächlich männliche un- und angelernte Arbeiter.

Wenig belastet sind Selbständige und Angestellte. Die Belastungsfaktoren lassen sich jedoch nicht einfach gegeneinander aufrechnen. Auch eine starke Belastung in "nur" einer Hinsicht (z.B. Streß) kann sich sehr negativ auswirken.

Der Zugang zu den Arbeitsmärkten richtet sich in der BRD wesentlich nach den Ausbildungsabschlüssen. Es werden zwei Kategorien von Arbeitsplätzen unterschieden:

1. Jedermannsarbeitsplätze (Mc -Jobs): Tätigkeiten die nur eine geringe Qualifikation erfordern und für die es nicht leicht ist Arbeiter zu bekommen. Die Investitionen des Arbeitgebers sind nur gering, da die Rekrutierungskosten niedrig und die Einarbeitungszeit kurz sind. Bei schlechter Arbeitslage werden diese Arbeitsplätze daher zuerst abgebaut. Sie werden oft von Frauen besetzt.

2. Stammarbeitsplätze: Tätigkeiten die eine hohe Qualifikation erfordern und für die es schwierig ist Arbeitskräfte zu bekommen. Die Investitionen des Arbeitgebers sind durch die hohen Anwerbungs- und Rekrutierungskosten (Einstellungstests, Bewerbungsgespräche) und der langen Einarbeitungszeit sehr hoch. Diese Arbeitsplätze bieten eine relative Sicherheit gegen Arbeitslosigkeit, da die Unternehmen auch bei schlechter Auftragslage versuchen diese zu erhalten.

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Die Ergebnisse der PISA-Studien haben das Thema Bildung wieder verstärkt ins Interesse der Öffentlichkeit und der Politik gerückt, denn durch das unterdurchschnittliche Resultat das die deutschen Schüler im internationalen Vergleich erzielt haben, wurde klar, dass das einstige Land der Dichter und Denker im Bezug auf das Bildungssystem größere Mängel aufweist. Aber die PISA-Studien haben noch einen weiteren Aspekt des Bildungssektors wieder ans Licht gebracht, nämlich den Zusammenhang von Leistungskompetenz und sozialer Herkunft. Und auch hier wurde deutlich, dass Deutschland weit davon entfernt ist sich mit Chancengleichheit im Bezug auf Bildung zu rühmen obwohl soziale Gerechtigkeit und Chancengleichheit Werte sind, die in Deutschland durchaus von Bedeutung sein sollten. Doch welche Ungerechtigkeiten bestehen wirklich im deutschen Bildungssystem? Im folgenden Essay möchte ich mich also mit dieser Problematik befassen. Dabei werde ich mich zuerst mit dem deutschen Bildungssystem im Allgemeinen befassen um dann genauer auf die PISA-Studien einzugehen, wobei dem Zusammenhang zwischen Schichtzugehörigkeit und Bildungsbeteiligung besondere Aufmerksamkeit geschenkt wird. Zum Schluss möchte ich mich dann noch mit einigen Lösungsvorschlägen auseinandersetzen.

Als erstes muss zunächst die Frage nach den sozialen Funktionen des Bildungssystems geklärt werden, und in einer Leistungsgesellschaft, wie sie in Deutschland vorzufinden ist, hat das Bildungssystem vorwiegend folgende Aufgaben bzw. Funktionen zu erfüllen:

Die erste Funktion ist die der Platzierung, was bedeutet, dass jeder Mensch in der Lage sein muss die Bildung als ein sogenanntes Sprungbrett nutzen zu können um sich in der sozialen Hierarchie nach oben arbeiten zu können. Bildung muss also Lebensperspektiven eröffnen können.

Eine weitere Funktion von Bildungssystemen ist die Auslese- bzw. Selektionsfunktion. Das Bildungssystem in einer Leistungsgesellschaft sollte also nach Leistung selektieren und nicht nach sozialen Kriterien. Doch genau bei diesem Punkt zeigt sich in Deutschland, dass dies nicht immer der Fall ist, sondern dass häufig auch eine Art soziale Auslese betrieben wird.

Es ist allerdings schwer zu sagen ob diese Auslese z.B. von Lehrern beabsichtigt ist oder nicht, aber Fakt bleibt, das besonders soziale Merkmale einen Einfluss auf die „Bildungskarrieren“ von Menschen haben. (Geißler 2002, S.333). Unter diesen sozialen Merkmalen werden vor allem die soziale, ethnische und regionale Herkunft verstanden , aber auch das Geschlecht. Das Bildungssystem beeinflusst daher inwieweit die vertikale soziale Mobilität einer Gesellschaft ausgestaltet ist. (Geißler 2002, S.333). Zum Problem wird die Auslese nach diesen sozialen Kriterien allerdings erst, wenn, wie es in der Bundesrepublik Deutschland der Fall ist, das im Grundgesetz verankerte Prinzip der Chancengleichheit nicht mehr erfüllt werden kann. Denn die Grundidee dieser Chancengleichheit ist, dass alle Kinder, unabhängig von den oben genannten sozialen Kriterien, die gleichen Chancen im Bezug auf sozialem Aufstieg, Beruf und Bildung haben. Diese Chancengleichheit ist aber nicht mehr gegeben wenn in einer Gesellschaft zu sehr nach sozialen und weniger nach leistungsorientierten Unterscheidungsmerkmalen selektiert wird (Geißler 2002, S.334). Das in Deutschland dieses Problem der Selektion besteht ist allerdings nichts Neues, denn schon in den 1960er Jahren hat sich die Bildungspolitik mit eben diesem Problem beschäftigt und brachte als Lösung die sogenannte Bildungsexpansion hervor. Die Idee hinter dieser Bildungsexpansion war es, die sekundären und tertiären Bereiche des Bildungswesens stark auszubauen, so das mehr Deutsche einen hohen oder zumindest einen mittleren Bildungsabschluss erreichen können und somit die soziale Ungleichheit der Bildungschancen minimiert werden könne (Geißler 2002, S.334). Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Bildungsexpansion in Deutschland dazu geführt hat mehr Kinder aus allen Schichten nun Zugang zum Bildungssystem haben, aber inwiefern sie Auswirkungen auf den Grad der sozialen Auslese hat, bleibt zu untersuchen. Und hier kommt auch schon die viel diskutierte PISA-Studie ins Spiel, da diese eben diese Bedeutsamkeit der sozialen Herkunft bei der Bildungsbeteiligung untersucht hat und auf dessen Ergebnisse ich im folgenden eingehen werde.

Zuerst einmal zu der PISA-Studie im Allgemeinen:

Mit dem „ P rogramme for I nternational S tudent A ssessment“ (PISA) informiert die OECD ihre Mitgliedsstaaten über Stärken und Schwächen ihrer Bildungssysteme. Alle drei Jahre werden die Erhebungen mit einem abgestimmten Testprogramm durchgeführt. Es werden die Fähigkeiten von 15-jährigen Schülerinnen und Schülern in den Bereichen Mathematik, Lesen und Naturwissenshaften untersucht. In PISA 2000 stand die Lesekompetenz im Fokus des Interesses der Erhebungen, in PISA 2003 ist es die Mathematik und in PISA 2006 sind es die Naturwissenschaften. Auch über fächerübergreifende Kompetenzen soll die PISA-Studie informieren (z.B. zur Vertrautheit der Schüler mit Informationstechnologien).

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